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Lotsenstelle bringt 100 schulmüde Jugendliche auf Kurs

Patricia Kirchner (Mitte) ist mit Unterstützung der Lotsen Julia Nöfer und Stefan Theißen wieder auf den Arbeitsmarkt zurückgekehrt.
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Patricia Kirchner (Mitte) ist mit Unterstützung der Lotsen Julia Nöfer und Stefan Theißen wieder auf den Arbeitsmarkt zurückgekehrt.
Obwohl es in Deutschland ein engmaschiges soziales Netz gibt, bleiben jährlich viele junge Leute schulmüde und orientierungslos auf der Strecke. Mit dem Modellprogramm "Jugend stärken: Aktiv in der Region" versucht das Bundesfamilienministerium auch ihnen gerecht zu werden. Eine der bundesweit 35 Modellregionen, die eigene Hilfsstrategien entwickelt haben, ist der Kreis Düren.

Im Herbst 2010 hat er im Roncalli-Haus in Jülich eine Lotsenstelle eingerichtet, in der die Sozialpädagogen Julia Nöfer und Stefan Theißen vom Sozialwerk Dürener Christen Ansprechpartner für junge Menschen aus dem Nordkreis sind, die aus den verschiedensten Gründen im Niemandsland zwischen Schule und Berufswelt umherirren und bisher noch keinen Rettungsring gefunden haben. "Mit der Lotsenstelle gehen wir einen neuen Weg, denn wir dürfen keinen einzigen jungen Menschen verloren geben. Um ihrer selbst willen, aber auch wegen des Fachkräftemangels, der sich deutlich abzeichnet", stellte Landrat Wolfgang Spelthahn fest, als die Projektpartner jetzt im Pressegespräch Halbzeitbilanz zogen.

Die beiden Sozialpädagogen gehen seit Herbst 2010 dahin, wo sich junge Leute treffen und sprechen sie gezielt an, sind aber auch in der Lotsenstelle erreichbar. 114 mehr oder minder rat- und orientierungslose Jugendliche und junge Erwachsene aus Aldenhoven, Jülich, Linnich und Titz haben sie so bereits erreicht. Das Gros, exakt 100,  haben sie erfolgreich integriert. Manchmal in den Arbeitsmarkt, meistens aber in die bestehenden Hilfesysteme, darunter zum Beispiel die job-com, die Drogen- oder die Schuldnerberatung.

"Wir nehmen die jungen Menschen ernst und schaffen so eine Vertrauensgrundlage", berichtet Julia Nöfer von fast 1000 Einzelgesprächen, die sie und ihr Kollege geführt haben. "Fast alle Hilfesuchenden hatten familiäre Probleme. Darüber hinaus gibt es oft weitere, die gelöst werden müssen, um Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben." Dabei helfen die in der Region gut vernetzten Lotsen ihren Klienten mit Rat und Tat, reden mit Eltern, begleiten sie zu Terminen. Bislang haben übrigens nur fünf junge Leute die Beratung abgebrochen, weil ihnen die Einsicht in die Notwendigkeit fehlte, sich helfen zu lassen.

Patricia Kirchner, 21, hat dank der Lotsen wieder Kurs auf den Arbeitsmarkt genommen. "Die Gespräche haben mir sehr geholfen", bekennt sie. Eine abgebrochene Lehre und eine Krankheit hatten die junge Frau aus der Bahn geworfen. Mit Hilfe der Lotsen fasste sie neuen Mut und orientierte sich beruflich neu. Ein erfolgreiches Jahrespraktikum in einer Kita bestärkte sie darin, Erzieherin zu werden, ihre Ausbildung beginnt sie in Kürze. Auch wenn sie nicht der typische Fall ist, ist Patricia Kirchner eine derer, die von der Lotsenstelle profitiert haben. 

Mittlerweile betreuen die Lotsen auch junge Kunden der job-com, die Unterstützung bei Erfüllung ihrer Eingliederungspflichten benötigen. Gemeinsam mit der Evangelischen Gemeinde zu Düren hat das Kreis-Jugendamt zudem ein "Bildungsnetzwerk für Sinti" in Niederzier  aufgebaut, in das bereits rund 30 junge Menschen einbezogen wurden.

Das auf drei Jahre angelegte "Jugend stärken"-Projekt wird mit 400.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert; das Jugendamt bringt den Eigenanteil des Kreises von 100.000 Euro in Form von koordinierender Arbeit während der Projektlaufzeit ein, die im Dezember 2013 endet.

Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zieht ebenfalls ein positives Zwischenfazit: "Alle Modellkommunen sind auf einem sehr guten Weg. Bei ihrer Suche nach passgenauen Lösungen und innovativen Konzepten beweisen sie viel Kreativität, Engagement, und den nötigen Mut, Neues auszuprobieren", sagt sie. "Wichtig sind Hilfen aus einer Hand, denn sie sind der Schlüssel, um Brüche in der Förderung junger Menschen zu vermeiden. Wichtig ist außerdem, dass wir aktiv auf die Jugendlichen zugehen, die von den gängigen Hilfesystemen nicht mehr erreicht werden", so Kristina Schröder. Unter dem Dach von "Aktiv in der Region" wurden seit Programmbeginn etwa 100 Projekte neu gestartet. Mehr als 2500 junge Menschen konnten damit bislang erreicht werden, mehr als 200 von ihnen schafften im Anschluss den Sprung in die Beschäftigung.

 
 

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