Sozialpsychiatrischer Dienst
Beraten und begleiten
Ganz hinten, unten in Haus B des Kreishauses, in einem vom Tageslicht kaum erreichten Flur, befinden sich rund um einen kleinen Wartebereich die Büroräume des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Gesundheitsamtes. Betritt man die Büros, wird die Stimmung gleich viel freundlicher.
Wir vom Sozialpsychiatrischen Dienst, als eine organisatorisch abgegrenzte Beratungsstelle innerhalb des Gesundheitsamtes, begrüßen diese etwas abgeschiedene Lage. Sie kommt dem Bedürfnis unserer Klienten nach Anonymität entgegen. Natürlich unterliegen wir für den Beratungsbereich einer Schweigepflicht über die Person und ihre an uns herangetragenen Probleme. Selbst an andere öffentliche Stellen dürfen Informationen nur mit dem schriftlichen Einverständnis des Betroffenen weiter gegeben werden.
Aufgabenspektrum
Bereits seit den Nachkriegsjahren sind im Kreisgesundheitsamt Düren und im Gesundheitsamt des ehemaligen Landkreises Jülich Sozialarbeiter/innen und Ärzte/innen mit psychisch Kranken und geistig Behinderten befasst. In den folgenden Jahrzehnten kamen neue Aufgaben hinzu.
Heute besteht unser Klientel aus psychisch Kranken, Menschen in akuten Konflikt- und Krisensituationen, Suchtkranken und Suchtgefährdeten. Darüber hinaus sind wir selbstverständlich auch Ansprechpartner für die Angehörigen, Freunde, Nachbarn und sonstigen Bezugspersonen der Betroffenen. Diesen Personen bieten wir Beratungsgespräche an. Dabei muss unsere Beratung nicht zwingend in den Büros statt finden und kann im Einzelfall auch bei einem Hausbesuch erfolgen.
Beratungsgespräch
Inhalt der Beratungsgespräche ist zunächst das Bemühen, gemeinsam mit der oder dem Betroffenen die Situation zu klären. Dazu können auf Wunsch neben der Einzelberatung auch Gespräche als Paar- oder Familienberatung erfolgen. Es werden dann gemeinsam Lösungswege entwickelt.
Dazu gehören z.B. die Vermittlung von ambulanten oder stationären Behandlungsmaßnahmen wie ambulante Psychotherapie, ambulante Suchttherapie oder Suchtberatung, stationäre Entwöhnungsbehandlung, Reha-Maßnahmen. Oftmals ist aber auch die ambulante Beratung und Begleitung im Gesundheitsamt ausreichend.
Suchtberatung und -begleitung
Bei Menschen mit Suchtproblemen sind meistens viele intensive Gespräche erforderlich. Dabei geht es im allgemeinen zunächst um die Stärkung von Problembewusstsein und ggf. auch um Krankheitseinsicht und um die Stärkung einer Behandlungsmotivation. Im weiteren Beratungsverlauf sind wichtige Themen
- das Erkennen der Funktion des Suchtmittels
- das Entwickeln und Umsetzen von alternativen Lebensbewältigungsstrategien
- Bewusstmachen und Reflexion von lebensgeschichtlichen Zusammenhängen
- Stärkung der Persönlichkeit
Wenn suchtbegleitende psychische Erkrankungen vorliegen, z.B. Depressionen oder Angststörungen, müssen diese mitbehandelt werden.
Häufig ist es hilfreich, die Betroffenen zu geeigneten Selbsthilfegruppen hin zu führen. In der Nebenstelle Jülich werden im Gesundheitsamt Gruppentreffen der Selbsthilfegruppe "Freundeskreis Harmonie" angeboten, die durch die Sozialarbeiterinnen des Sozialpsychiatrischen Dienstes fachlich begleitet werden.
Wir bieten Beratung, Begleitung und Krisenintervention auch bei chronisch Kranken an, bei denen die anderen bestehenden Therapie- und Hilfsangebote nicht greifen.
Zusammenarbeit
Das enge soziale Geflecht in Deutschland hält noch andere Einrichtungen vor, die benachteiligten Menschen helfen. Hierzu zählen insbesondere Sozialämter, Jugendämter, Rentenversicherungsträger, der Landschaftsverband, Fachkliniken, Krankenkassen, Justizbehörden, Bewährungshilfen, Arbeitsämter, freie Wohlfahrtsverbände, Beratungsstellen, Schulen, Ärzte, Arbeitgeber, Medizinische Dienste usw.
Bei Bedarf vermitteln wir mit diesen Stellen.
Die Ärztinnen und Sozialarbeiter/innen beteiligen sich außerdem an Arbeitskreisen und an der Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Suchtprävention.
Unsere Präsenz
Der Sozialpsychiatrische Dienst ist in der Kreisverwaltung Düren angesiedelt, im Neubau Parterre, Zimmer 29 - 33.
Außerdem sind drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Nebenstelle in Jülich, Kartäuserstr. 2, Parterre, erreichbar (Tel. 02461/9736-18, -20 und -25).
Herr Staisch bietet dienstags von 14:00 - 16:00 Uhr eine Sprechstunde in Langerwehe an (Kulturhalle, Eingang Deutsches Rotes Kreuz).
Die Diplom-Sozialarbeiterinnen und Diplom-Sozialarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes betreuen jeweils einen bestimmten Bezirk des Kreisgebietes.
Die Bezirke sind wie folgt aufgeteilt:
| Kreishaus Düren | Nebenstelle Jülich (Nordkreis) |
|---|---|
| Thomas Bamberg Stadtmitte Düren, Düren-Süd, Düren-Arnoldsweiler, Gemeinde Hürtgenwald, Gemeinde Heimbach, Gemeinde Nideggen, Gemeinde Vettweiß |
Gerhard Staisch Jülich-Süd, Gemeinde Niederzier, Gemeinde Inden, Gemeinde Langerwehe |
| Brigitte Hageböck Düren-Nord, Birkesdorf, Merken, Mariaweiler, Hoven, Echtz, Konzendorf, Derichsweiler, Gürzenich, Rölsdorf, Birgel, Berzbuir, Kufferath,Gemeinde Merzenich |
Petra Schmitz-Blankertz und Doris Amberg Jülich-Nord, Stadt Linnich, Gemeinde Aldenhoven, Gemeinde Titz |
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Theodora Klüssendorf |
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Die Bezirksaufteilung ist nicht in jedem Fall zwingend, die Mitarbeiter/innen vertreten sich untereinander oder beraten bestimmte Klienten auf deren begründeten persönlichen Wunsch hin.
Beratung psychisch kranker Menschen
Frau Dr. Mechthild Pauels, Ärztin für Psychiatrie, ist Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Ihr steht Frau Gabriele Geng als Fachärztin für Psychatrie -Psychotherapie - zur Seite. Arbeitsschwerpunkt ist die Beratung von psychisch Kranken und ihrer Angehörigen sowie die Begleitung in Krisensituationen und Notfällen, in denen eine ärztliche Entscheidung notwendig ist.
Aidsberatung
In fragen bezüglich Aidserkrankung sind Frau Nicole Savelsberg in Düren und Herr Gerhard Staisch in Jülich ansprechbar. Beratung und Begleitung im Krankheitsfall bietet Frau Savelsberg.
Statistische Betrachtung
Es gibt keinen prinzipiellen Unterschied zwischen BERATUNG und BEGLEITUNG. Nach meinem Verständnis stellt der Begriff Begleitung mehr den Respekt vor dem Klienten, dessen Autonomie und eigenen Fähigkeiten zur Problemlösung (oder auch seiner Selbstheilungskräfte) in den Vordergrund. Mir selbst gefällt der Begriff Begleitung besser.
Theodora Klüssendorf
Ohne in die etwas "trockenen" Statistikblätter zu schauen, hier eine nach der eigenen Einschätzung vorgenommene Zuordnung der Einzelfälle zu bestimmten Fallgruppen:
70 % unserer Klienten sind suchtkrank,
davon sind wiederum
- 80 % reine Alkoholiker/innen im Alter zwischen 30 - 60 Jahren
- 15 % sind drogenabhängig
- 5 % entfallen auf andere Suchtkrankheiten
- Junge Alkoholabhängige konsumieren häufig auch andere Drogen wie Haschisch und Amphetamine
- Drogenabhängige, die ausschließlich Heroin nehmen, kommen nur noch sehr selten zu uns. Die meisten Drogenabhängigen haben eine Hauptdroge und nehmen ersatzweise fast alles andere.
- Tabletten- und Spielsüchtige sind eher die Ausnahme.
- Essstörungen treten oft in Verbindung mit Alkohol- und Drogenabhängigkeit auf. Klienten mit reinen Essstörungen vermitteln wir in stationäre oder ambulante Therapien.
Viele Suchtkranke leiden an zusätzlichen Krankheiten. Neben den bereits genannten Essstörungen sind dies häufig Depressionen, Angsterkrankungen, Phobien, Persönlichkeitsstörungen (z.B. Borderline-Persönlichkeit), selbstverletzendes Verhalten u.a.
Suchtkranke können auch zusätzlich an Psychosen erkranken. Immer häufiger gibt es die sogenannten "drogeninduzierten Psychosen", also durch Drogenkonsum ausgelöste psychotische Episoden oder Psychosen.
Ca. 30 % unserer Klienten leiden an
- Psychosen
- anderen psychischen Erkrankungen (Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen u.a.)
- oder befinden sich in einer Krisensituation (z.B. nach Suizidversuchen)
Der ärztliche Bereich
Die Ärztinnen des Sozialpsychiatrischen Dienstes beteiligen sich an der beratenden Tätigkeit, insbesondere bei der Betreuung psychisch Kranker. Nach Abklärung der Diagnose müssen die Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Auf die Realisierung der Behandlung bei krankheitsuneinsichtigen Patienten wird hingewirkt. Gegebenenfalls werden auch gutachterliche Stellungnahmen zur Einleitung eines Verfahrens beim Vormundschaftsgericht erstellt, damit dem Patienten ein Betreuer im rechtlichen Sinne zur Seite gestellt wird.
In psychiatrischen Krisensituationen, in denen der Patient sich oder andere gefährdet, ist die Zusammenarbeit mit den Ordnungsbehörden und im Einzelfall auch mit der Polizei erforderlich. Sofern andere Hilfen nicht ausreichen, wird über die Einweisung in die Rheinischen Kliniken Düren entschieden. Nach einer stationären Behandlung erfolgt eine Beratung über die möglichen Hilfsangebote, die geeignet sind, den gesundheitlichen Zustand des Patienten zu stabilisieren und erneute Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.
Neben der beratenden Tätigkeit sind die Ärztinnen umfassend gutachterlich tätig. So werden z.B. für die Sozialverwaltung psychiatrische Gutachten zur Frage der Erwerbsfähigkeit erstellt.
Der Verwaltungsbereich
Carmen Paschke, Renate Porschen und Sandra Schmitz in Düren sowie Hanne König in Jülich sind die Assistenz- und Schreibkräfte des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Gesundheitsamtes. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle bei Telefonaten oder auch persönlichen Kontakten, da die Sozialarbeiter/innen und Ärztinnen auch im Außendienst tätig sind.
Der weitere Aufgabenbereich umfasst das Schreiben von Gutachten und Sozialberichten sowie die gesamte Korrespondenz des Sachgebietes, dessen Aktenverwaltung und die Archivierung von Vorgängen.


