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Kreis Düren

"Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben als Künstler"

Der Fotograf Thomas Kellner erhielt 2009 den Kunstpreis des Kreises Düren – seit 2004 ist er selbstständig tätig

Von Düren in die ganze Welt

2009 erhielt Thomas Kellner, der an der Rur aufgewachsen ist, den Kunstpreis des Kreises Düren. Bei einem seiner Projekte rückt er die Kapellenschulen im Siegerland in den Blickpunkt.

Thomas Kellner beherrscht eine außergewöhnliche Kunst: Er bringt Immobilien zum Tanzen. Was sich nach der Quadratur des Kreises anhört, ist aber kein Hexenwerk, sondern ein genialer Einfall. Wenn der 55-jährige weltbekannte Bauwerke fotografiert, dann setzt er sein Motiv aus zahlreichen Einzelbildern zusammen, die dann ein Ganzes ergeben: tanzende Wände, vertraut und fremd zugleich. 

2009 hat ihm Landrat Wolfgang Spelthahn für sein kreatives Schaffen den Kunstpreis des Kreises Düren überreicht, der stets mit 5000 Euro und der Herstellung eines Kataloges dotiert ist. 2010 folgte im Deutschen Glasmalerei-Museum Linnich eine Einzelausstellung mit seinen Werken. 

Thomas Kellner ist im Kreis Düren aufgewachsen, in Langerwehe, Arnoldweiler, Haus Rath und Kufferath. Sein Abitur erwarb er am Gymnasium am Wirteltor. 1989 zog er zum Studium der Fächer Kunst, Soziologie, Politik und Wirtschaftswissenschaften nach Siegen, wo er heute noch lebt. 1996 erhielt er den Kodak Nachwuchsförderpreis, der ihn ermutigte, als Künstler zu leben. 2003 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Seine Frau Helga Kellner führt in der Stadt Siegen ein Geschäft für Einrahmungen und eine Galerie.

In loser Folge schaut die KreisRund-Redaktion auf die bisherigen Kunstpreisträger des Kreises Düren und beleuchtet unter anderem, wie es ihnen ergangen ist beziehungsweise, wie es ihnen geht.

In der Artgalerie seiner Frau Helga in Siegen stellt Thomas Kellner zurzeit Fotos von Fachwerkhäusern des Siegener Industriegebietes aus.

Wie haben sie die Corona-Zeit erlebt?

Thomas Kellner: Ich musste deutlich zurückstecken. Seit Anfang Februar 2020 war auf einmal nichts mehr möglich, der Bereich Kultur wurde leider als erstes geschlossen.  

Welche Vorhaben mussten Sie streichen?

Kellner: Eine Einzelausstellung in Johannesburg ist ausgefallen, drei Termine in China wurden ebenso gecancelt wie einer in Havanna auf Kuba und eine geplante Ausstellungstournee in Andalusien. 

Was haben geschlossene Galerien und Museen für Sie bedeutet?

Kellner: Meine Vita ist nun leider um einige Einträge ärmer – das bedeutet einen Verlust an Renommee.
 

Wovon haben Sie während dieser Zeit gelebt?

Kellner: Es gab Unterstützung von Bund und Land, deren Beantragung allerdings mit hohem Verwaltungsaufwand verbunden war. Der NRW-Kulturrat hat mit seinem Berater Rainer Bode allerdings sehr viel für uns Künstler bewegt. Das war sehr hilfreich!

 

Hat Corona Sie künstlerisch inspiriert?

Kellner: Ja, ich habe die Zeit genutzt, um die Bilder der Fachwerkhäuser von Bernd Becher, einer der wichtigsten Fotografen überhaupt, neu zu interpretieren. Diese Werke habe ich in der Galerie in Siegen und in der renommierten Klompching Galerie in New York ausgestellt. Die Stadt ist weltweit eines der wichtigsten Zentren für Kunstgalerien.   

 

Woran arbeiten Sie? 

Kellner: Zum Neustart gab es ein Stipendium von Bund und Land NRW. Nun setze ich mich mit den sogenannten Kapellenschulen im Siegerland auseinander. Das ist ein Gebäudetyp, den es schon seit über 450 Jahren gibt. Zudem stand in diesem Jahr die Elbphilharmonie in Hamburg auf meinem Programm, dann habe ich eine Einladung zur Ausstellung der Fachwerkhäuser der Architektenkammer NRW bekommen, im Sommer war ich in Hildesheim mit meiner Ausstellung Flucticulus zu sehen, in der ich das Thema Wellen aufgreife.

 

Was bedeutet Ihnen der Kunstpreis des Kreises Düren?

Kellner: Das ist mein einziger deutscher Kunstpreis, der mir damals sehr geholfen hat, meine Selbständigkeit zu erhalten. Auch von den 1000 Katalogen, die zu der Ausstellung im Glasmalerei-Museum Linnich gedruckt wurden, habe ich sehr profitiert.

 

Haben Sie eine Verbindung zur Internationalen Kunstakademie Heimbach?

Kellner: Da ich weltweit viel unterwegs bin und bis zu 40 Ausstellungen betreue – bleibt mir für die Lehre leider keine Zeit. 

 

Wie ist es, als Künstler selbständig zu sein?

Kellner: Die Freiheit, die ich seit 2004 als selbständiger Künstler habe, ist ein Riesengeschenk! Sie ermöglicht es mir, mich voll und ganz um meine Kunst zu kümmern. 

 

Was heißt es, als Künstler selbstständig zu sein?

Kellner: Das ist nur möglich, wenn man sich professionell aufstellt – was übrigens ja auch jede Firma tun muss. Mein Tag beginnt von Montag bis Samstag um 6 Uhr mit dem Wecker, sonntags um 8 Uhr. Den Schreibtisch verlasse ich in der Regel um 20 Uhr. 

 

Was steht bei der Schreibtischarbeit an?

Kellner: Wichtig ist es, Kontakte zu pflegen. Ich habe meine Adressendatei irgendwann auf 5000 Einträge halbiert und spreche Lieferanten, Kunden und Partner seitdem aber gezielt an, per E-Mail, Brief oder Telefon. Meine Internetseite wird laufend gepflegt, während mein Blog relativ neu ist. Ein Teil meines Angebotes richtet sich zum Beispiel an junge Menschen, die Künstler werden wollen. Aber auch andere Berufsfelder wie Journalismus, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und andere mehr spreche ich an. Ich beschäftige ständig drei oder vier Praktikanten, die von mir lernen. 

 

Künstler sein ist ein hartes Brot …

Kellner: Ja, als Künstler Einkommen zu erwirtschaften, ist in der Tat ein hartes Geschäft. Dabei muss man manchmal neue Wege gehen, etwa indem man Mietkauf, Schwarmfinanzierung oder Sponsoring anbietet. Unter dem Strich bin ich sehr zufrieden mit meinem Leben als Künstler.    

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • © Thomas Kellner Siegen und VG Bild-Kunst Bonn
  • © Thomas Kellner Siegen und VG Bild-Kunst Bonn
  • © Thomas Kellner Siegen und VG Bild-Kunst Bonn

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