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Kreis Düren

„Medikamente sind keine Smarties”

Gabriele Manheller ist die Amtsapothekerin im Kreis Düren. Sie kontrolliert Apotheken und ist immer auf der Suche nach Lösungen.

Amtsapothekerin Gabriele Manheller guckt ganz genau hin

Contergan – dieser Name ist unzertrennlich mit dem Arzneimittelskandal in den 1960er Jahren verbunden. Damals kamen viele Babys auf die Welt, denen Arme oder Beine fehlten oder die Fehlbildungen aufwiesen. Der Grund war ein Beruhigungsmedikament, das Schwangeren empfohlen wurde – und sie brauchten nicht mal ein Rezept. Seitdem ist viel passiert, denn der Contergan-Skandal hatte einen erheblichen Einfluss darauf, dass das Arzneimittelgesetz geändert wurde und ohne diese Reform sähe der Arbeitsalltag von Gabriele Manheller heute deutlich anders aus.

Gabriele Manheller ist die Amtsapothekerin des Kreises Düren und zuständig dafür sicherzustellen, dass die Apotheken im Kreis Düren vorschriftsmäßig, zuverlässig und richtig arbeiten. Zu ihren Aufgaben gehört daher die regelmäßige Inspektion von allen Apotheken im Kreisgebiet – auch die in den Krankenhäusern. Insgesamt gibt es derzeit rund 50 Apotheken. Wenn niedergelassene Apotheker die Voraussetzungen für die Betriebserlaubnis nicht mehr erfüllen, kann diese widerrufen werden und die Apotheke muss schließen. „Jeder Kunde und jede Kundin muss sich darauf verlassen können, wenn man in einer Apotheke ein Medikament kauft, dass auch genau das drin ist, was drauf steht”, sagt sie. „Arzneimittel sind keine Smarties.” Sie hat bei Inspektionen Einsicht in jeden Ablauf, jeden Aktenordner und jeden Winkel des Geschäfts. „Wer kriminell agiert, der fliegt früher oder später auf, da das System gut überwacht und kontrolliert wird”, weiß die Amtsapothekerin.

Im Apothekerwesen gibt es viele Regeln und Auflagen. Amtsapothekerin Gabriele Manheller kennt diese und sorgt dafür, dass sie eingehalten werden.

Auch, wenn eine neue Apotheke eröffnen möchte, braucht es das Okay der Amtsapothekerin. Wenn beispielsweise die vorgeschriebenen Apothekenräume, die Ausstattung, das Labor, Dokumentations-, Hygienevorschriften und sonstige Auflagen erfüllt sind, erteilt Gabriele Manheller die Betriebserlaubnis. Nicht nur mit Apothekerinnen und Apothekern arbeitet Gabriele Manheller zusammen, auch Ärzte muss sie kontrollieren – nämlich dann, wenn Betäubungsmittel wie starke Schmerzmittel, Methadon oder Opiate verschrieben werden. Hier müssen geführte Listen vorliegen, wann wie viel verschrieben oder gelagert wird.

Mit der Polizei, dem Zoll oder auch der Staatsanwaltschaft steht sie ebenfalls in Kontakt – als sachkundige Beraterin. „Das passiert mehrfach die Woche. Dann kommen beispielsweise vom Zoll Pakete mit möglichen Medikamenten aus dem Ausland, bei denen fraglich ist, ob die eingeführt werden dürfen. 

„Die Arbeit macht unglaublich viel Spaß. Es ist ein Bereich, der den Menschen hilft und bei dem hohe Verantwortung gefragt ist. Die trage ich gerne”

Denn Privatpersonen dürfen keine Arzneimittel importieren, das bleibt den Apotheken vorbehalten. Ich gucke mir dann die Dosierung und Zusammensetzung an und ob sie als Arzneimittel zu Behandlung von Krankheiten beworben werden”, sagt Gabriele Manheller.

Auch wenn ihr Alltag durch viele Kontrollen, Aufwand und vor allem Bürokratie geprägt ist, so sei dies sehr wichtig. „Es ergibt Sinn, dass Arzneimittel so stark kontrolliert werden. Bei falscher Anwendung kann großer Schaden entstehen. Es muss eine Instanz da sein, die die Menschen, teilweise auch vor sich selbst, schützt”, mahnt sie. Unwissenheit kann bei Medizin sehr gefährlich werden und sie macht dies an der aktuellen Debatte um Mangel bei Fiebersäften für Kinder deutlich. „Manche Eltern glauben, sie können aus der Hausapotheke selbst Medizin für ihre Kinder herstellen oder von den Nachbarn übrig gebliebene Säfte nehmen. Das kann sehr, sehr gefährlich werden”, mahnt Gabriele Manheller. Apotheken finden Möglichkeiten, die Engpässe so gut es geht aufzufangen und die benötigten Arzneien selbst herzustellen.

Lösungen finden

Auch, wenn die Amtsapothekerin die Engpässe nicht beseitigen kann, so ist es ihr immer ein Anliegen, die Apotheken zu unterstützen, Ansprechpartnerin zu sein und im Austausch aufzuzeigen, welche Möglichkeiten und Lösungen es gibt. „Ich bin nicht nur die Böse, die dafür sorgt, dass die Vorgaben eingehalten werden müssen. Ich sehe mich auch als Verbindungsglied und Ansprechpartnerin der Apothekerinnen und Apotheker. Gerade in schwierigen Zeiten müssen wir zusammenstehen und an einem Strang ziehen.”

Die Überwachung von Apotheken und Arzneimitteln ist in den vergangenen Jahren immer umfangreicher geworden. Sogar in Bau- oder Supermärkten und Fitnessstudios finden Kontrollen statt. Im Ramen der Kontrolle von Medikamenten, Giften und Gefahrenstoffen werden auch die dort angebotenen Waren kontrolliert. Das übernimmt in erster Linie Gabriele Manhellers Kollegin Sabina Rönnig-Braun, eine Pharmazeutisch Technische Assistentin. Sie geht Fragen nach, wie: „Sind die Nahrungsergänzungsmittel nicht vielleicht doch Arzneimittel?” „Was genau ist in den Fitnesspulvern drin?” „Werden giftige Insektizide oder Rattengift unter Verschluss und ohne Selbstbedienung aufbewahrt?” Während der Coronazeit wurden auch Teststellen und Impfzentren von ihr kontrolliert. Sie ist Ansprechpartnerin für Bürgerinnen und Bürger, wenn es Probleme mit Apotheken gibt. „Die Arbeit macht unglaublich viel Spaß. Es ist ein Bereich, der den Menschen hilft und bei dem hohe Verantwortung gefragt ist. Die trage ich gerne”, sagt Gabriele Manheller.

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