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Kreis Düren

"Die Gesellschaft ist effektiver, wenn alle Menschen einbezogen werden"

Die trans Aktivistin Georgine Kellermann besucht Mitte Dezember den Kreis Düren, um über das Thema "LSBTIQ* - geschlechtliche und sexuelle Vielfalt bis ins Alter" zu sprechen.

Anmeldung bis Montag, 4. Dezember, möglich

Die deutschlandweit bekannte trans Aktivistin Georgine Kellermann freut sich auf einen spannenden Austausch auf dem Fachtag zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt des Kreises Düren.

Der Kreis Düren ist bunt. Der Kreis Düren ist vielfältig. Der Kreis Düren ist divers. Und genau das wird auf einem Fachtag im Dezember ganz klar deutlich gemacht. Er trägt den Titel "LSBTIQ* – Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt bis ins Alter" und wird von der Koordinationsstelle "Pro Seniorinnen und Senioren im Kreis Düren" des Amtes für Generationen, Demografie, Inklusion und Sozialplanung des Kreises Düren – in Kooperation mit dem rubicon e. V. aus Köln – durchgeführt. Der rubicon e. V. bietet Beratung und Unterstützung für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, inter* und queer lebende Menschen und Gruppen.

"Bei dieser kostenlosen Veranstaltung möchten wir aufklären und noch mehr Akzeptanz, Respekt sowie Toleranz schaffen. Diskriminierung hat im Kreis Düren keinen Platz. Hier kann jede und jeder so sein, wie sie oder er ist – und zwar in jedem Alter", betont Landrat Wolfgang Spelthahn. Wer könnte sich dazu besser äußern, als Georgine Kellermann, die sich im Alter von 62 Jahren öffentlich als trans outete?

Georgine Kellermann war mehr als 40 Jahre als der TV-Journalist Georg Kellermann tätig und ist mittlerweile eine der bekanntesten trans Aktivistinnen Deutschlands. Sie outete sich am 17. September 2019, ist heute "kontinuierlich glücklich" und sagt stolz im Kreis-Rund-Interview: "Ich bin eine Frau." Sie wirkt sensibel, spricht offen über Diskriminierungen, die sie immer wieder (besonders im Netz) erfährt und versprüht pure Lebensenergie.

Die 66-Jährige war so viele Jahre in einem Versteck-Spiel gefangen, das sie enorme Kraft kostete. Denn schon in jungen Jahren spürte sie, das sie sich nicht mit ihrem männlichen Körper identifizierte. Sie wollte ihren Mitmenschen gefallen und ihren Platz in einer Gesellschaft finden, in der trans Menschen zu der damaligen Zeit absolute Ablehnung erfuhren. "Es gibt einen Wandel der Gesellschaft, den man nicht mehr aufhalten, sondern nur noch gestalten kann. Es tut so unglaublich gut, endlich als Frau angesprochen zu werden. Ich fühle mich so viel freier als früher und führe ein sanfteres Leben. Ich fühle mich wie ein ganz neuer Mensch", erklärt Georgine Kellermann. Sie wehrt sich gegen Hass. Sie lebt ihr neues Leben und macht sich stark – für rund eine Million über 65-jährige Menschen, die sich in Deutschland als lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intergeschlechtlich (LSBTIQ*) identifizieren.

Georgine Kellermann erzählt, dass sie früher Angst vor einem Outing hatte, obwohl sie schon mit 28 Jahren kein Mann mehr sein wollte: "Wenn früher so gewesen wäre wie heute, dann hätte ich mich vielleicht früher offenbart. Es gibt gleichwohl immer noch viele Vorurteile, da jede Bewegung eine Gegenbewegung auslöst. Die Gesellschaft merkt nun, dass sie effektiver ist, wenn wirklich alle mit einbezogen werden. Dafür müssen wir weiter Sensibilität schaffen."

In einem Impulsvortrag wird Georgine Kellermann auf dem Fachtag, der am Donnerstag, 14. Dezember, ab 14 Uhr im großen Sitzungssaal in der Kreisverwaltung Düren stattfindet, eben dies tun. In den Dialog kommen, aufklären und aufzeigen welche Worte und Verhaltensweisen überdacht werden sollten – darauf freut sie sich. "Ich bin schon sehr auf die Gespräche mit den Menschen aus dem Kreis Düren gespannt. Wenn übrigens jemand nicht weiß, mit welchem Pronomen eine Person angesprochen werden möchte, dann ist es immer noch das beste, einfach freundlich und offen danach zu fragen. Denn dort, wo das Wort 'schwul' ein Schimpfwort ist, bleibt 'divers' ein Fremdwort."

Anmeldung

Eine Anmeldung zur Teilnahme an der Veranstaltung „LSBTIQ* – Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt bis ins Alter” am Donnerstag, 14. Dezember, ist unter 02421.22-1052904 oder per E-Mail an  amt52kreis-duerende möglich. Unter anderem werden der Begriff LSBTIQ* erklärt, verschiedene Lebenslagen aufgezeigt und es wird genug Raum für einen regen Erfahrungsaustausch geben.

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  • Robert Kneschke - stock.adobe.com
  • Annika Fußwinkel / WDR